Ina Viebahn auf Studienreise in Indien und Nepal, Reisebericht Teil 1 – Schule macht Schule

Ina Viebahn auf Studienreise in Indien und Nepal, Reisebericht Teil 1 – Schule macht Schule

Ina Viebahn, Ernährungswissenschaftlerin bei Biogena, besuchte im Dezember 2015 im Rahmen einer Studienreise das NECO-Waisenhaus, das Lepradorf Little Flower sowie das Projekt Schule macht Schule. Ihre Erfahrungen und Eindrücke, die sie während ihres Aufenthalts sammeln konnte, schilderte sie uns sehr anschaulich in mehreren Reiseberichten.

20 Kinder besuchen zurzeit die nepalesische Schule „ShreeJharkot Traditional Medical Center and School“, die dank des unermüdlichen Engagements von Christina Klaffinger und Wolfgang Pichlmüller vom Musischen Gymnasium Salzburg seit 2009 maßgeblich getragen wird. Je ein Komitee in Nepal und in Österreich entscheiden gemeinsam über Verwendung der Geldmittel, Lehrplan der Schule, bauliche Maßnahmen etc.

Während der Sommermonate leben und lernen alle in Jharkot, einem 3550 Meter hoch gelegenen Bergdorf im Bezirk Mustang. Die Familien der 14 Mädchen und 6 Jungen im Alter von 7 bis 15 Jahren wohnen im Umkreis von 2-3 Tagesmärschen um Jharkot herum.

Ein 8-köpfiges Komitee aus Jharkot und den Dörfern Kingha und Purang, aus denen die meisten Schüler kommen, entscheidet über die Aufnahme von Kindern in die Schule. Wichtigstes Kriterium ist, dass die Familien sehr arm sind und die Kinder sonst keine Chance auf Bildung hätten. Die Eltern sind z.B. Kleinbauern, Tagelöhner, Lastenträger oder arbeiten auf den Feldern von Großgrundbesitzern. Je Familie werden höchstens 2 Kinder in die Schule aufgenommen, um möglichst vielen Familien Hilfe zuteil kommen zu lassen. Die Idee dahinter ist, die akute finanzielle Belastung der Familien zu lindern, damit später einmal die gut ausgebildeten Kinder aus Jharkot ihre Familien unterstützen und eventuell die Ausbildung jüngerer Geschwister finanzieren können.

5-7 fest angestellte Betreuer/innen kümmern sich um die Kinder: Gurung Lama Mohan leitet die Schule u nd unterrichtet Englisch, „Health&Physical“ und „Social Studies“. Außerdem erhalten die Kinder Unterricht in Mathematik, Tibetisch und Nepali. Neben den Lehrern sorgen ein Koch, ein Amchi (Arzt der Tibetischen Medizin) und eine Wäscherin für das Wohl der Kinder.

Während der Wintermonate wäre an einen Schulbetrieb in Jarkhot nicht zu denken. Auf dieser Höhe ist es im Winter eiskalt. Alles Wasser ist gefroren; die zugigen, unisolierten, nicht beheizbaren Häuser machen einen Unterricht unmöglich. Staatliche Schulen schließen daher einfach und schicken die Kinder für diese Zeit nach Hause – das bedeutet 3 Monate Unterrichtsausfall. Die Schule aus Jharkot zieht hingegen seit Jahren von ca. Anfang Dezember bis Mitte März in die tiefer gelegene Stadt Pokhara um, auch wenn das mit erheblichem logistischem und finanziellem Aufwand verbunden ist.

Damit man ein bisschen ein Gefühl für die Lebenshaltungskosten in Nepal bekommt, hier ein paar Zahlen:

– Ein Sack = 30 kg Reis reichen für die 20 Kinder, die Betreuer und Volunteers für ca. 6 Tage und kosten 1850 NRS = € 16,10
– Der Koch erhält 8300 NRS = € 67,10 13 x jährlich, dafür kann man 20 Kg Hühnerfleisch oder eine Schwarzmarkt-Glasflasche kaufen
– 1 kg Linsen kosten 200 NRS = € 1,75
– Trinkwasser wird in Wasserkanistern gekauft: 17 l kosten 60 NRS = € 0,52
– Eine Gasflasche zum Kochen kostete vor dem Embargo durch Indien 500 NRS, jetzt sind es 8000 NRS = € 70.
– 1-2 Mal die Woche gibt es Fleisch (Huhn). Pro Mahlzeit werden 4,5 kg benötigt, 1 kg kostet 400 NRS = € 3,50
– Die Miete für die 7 Räume für 4 Monate kostet 14000 NRS = € 122

Der Tagesablauf in der Schule sieht folgendermaßen aus:

– Noch vor dem Frühstück gibt es Morning Prayer, Yoga und Selfstudy.
– Vormittagsunterricht ist von 10:00 bis 12:30 Uhr
– Nach dem Mittagessen noch einmal Schule von 13:30 – 16:00 Uhr
– Danach gibt es Tee und einen kleinen Snack, es ist Zeit zu spielen. Von ca. 17:15 bis 18:30 ist noch einmal Selfstudy, danach Evening Prayer und Abendessen.

Der Schulunterricht findet – wann immer es das Wetter zulässt – auf der Dachterrasse statt, weil es dort in der Sonne am wärmsten ist.

Normalerweise ist in Nepal am Samstag Feiertag. Weil da aber überall so viel los ist, hat die Schule beschlossen, ihren freien Tag auf den Sonntag zu legen. Da ist am Fluss und am Spielplatz viel mehr Ruhe und Platz für die Kinder und es ist hygienischer. In der Winterschule gibt es kein Bad; alle machen daher am Sonntag einen Ausflug zum nahe gelegenen Fluss und waschen sich ausgiebig. Auch die Wäsche wird am Fluss gewaschen – Mohan ist über diese Möglichkeit sehr froh: Sonst müsste noch mehr Wasser gekauft werden. Das Brauchwasser bringt ein Tanklaster; eingelagert wird es in großen Tanks und dann muss es eimerweise ins Haus und zu den Toiletten getragen werden.

Einen Fernseher gibt es nicht, aber am Samstagabend oder Sonntag dürfen die Kinder auf Mohans Laptop Filme ansehen, was natürlich sehr beliebt ist. Jedem Schüler sind je nach Alter kleine Aufgaben übertragen: Toiletten reinigen, kehren, Wassereimer füllen, beim Kochen helfen oder bei Tisch Essen ausgeben.

Von den Kindern dieser Schule war ich fasziniert: so ruhig, so autonom, so freundlich im Umgang untereinander und mit Erwachsenen. Ihr Englisch ist erstaunlich gut! Die räumliche Situation ist in der Winterschule natürlich sehr einfach, aber ich komme ja gerade aus den Bergen: Dort oben ist die Welt im Moment völlig gefroren. Eiskalt, kein Wasser, keine Heizung, gefrorene Toiletten, da wäre an Unterricht gar nicht zu denken. Ich glaube, die Kinder sind sehr glücklich, in Pokhara sein zu dürfen. Es wirkt fast ein bisschen wie Schullandheim, nicht nur Schule, sondern auch Sonne, Wärme, Erholung und ein bisschen Abwechslung. In der Zeitung habe ich gelesen, dass in weiten Teilen des Landes die Schulen aufgrund der ungewöhnlichen Kältewelle geschlossen sind. Da haben diese Kinder ein riesen Glück! Auch das Betreuerteam machte so einen liebevollen Eindruck. Ich bin absolut begeistert von diesem Projekt!

Hier geht’s zum Reisebericht Teil 2 – Ina Viebahn im Waisenhaus NECO: Mehr lesen